Der kenianische Mau Wald ist, schlicht und einfach, ein Ort der Wunder. Anders gesagt: des Wunderbaren. Es handelt sich um den größten noch verbliebenen Hochlandwald in Ostafrika, 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Reich an Tieren und Pflanzen – und, eine Seltenheit, Wasser. Die Menschen vom kleinen Volk der Okiek sind die HüterInnen dieses ökologischen Paradieses, das von allen Seiten bedroht wird. Priya, meine Partnerin, und ich sind hier, um über das besondere Glück, das Wohlbefinden im Bergregenwald, das die Okiek geschickt verteidigen, zu erfahren.
Ohne Einfluss von außen hat dieses Volk, mit knapp über 50.000 Menschen Kenias kleinste ethnische Gruppe, eine ganz eigene Art von Wald-Demokratie für sich entwickelt. Ein Miteinander, das sich an der Natur ausrichtet, nicht die Natur nach Belieben ein- und zurichtet.
Das zeigt sich beim Honig-Sammeln. Der Waldhonig der Okiek ist nicht nur berühmt, sondern auch begehrt. Der einzigartige Geschmack entsteht durch die Artenvielfalt des Waldes. Traditionell platzieren die Ogiek ihre Bienenstöcke in den Baumkronen, achten darauf, die Umwelt nicht zu stören. Die Anzahl der Völker ist begrenzt, eine zu hohe Dichte würde die Ausbreitung von Parasiten begünstigen.
Die Massai, die außerhalb des Mau Walds leben, benötigen den Honig für rituelle Zeremonien. Die Okiek könnten nun, das gäbe unterm Strich mehr Geld, das Bienengold komplett an Großhändler verscherbeln. Und damit die Massai vor den Kopf stoßen, die ihre Kühe, als Rache, daraufhin in den Wald treiben würden. Frieden fragt nach Kooperation, erzählen uns die Okiok, als wir nachhaken, beim gemeinsamen Gang durchs dichte Grün. Gier dagegen fragt nach Zwist.
Mit Krieg und Frieden kennt sich das Waldvolk seit der britischen Kolonialherrschaft aus. Auch die kenianische Regierung wollte und will es umsiedeln, ihm die Heimat nehmen, um den Mau Wald gewinnbringend zu zerstückeln. Die Okiek wehren sich. Haben eine Forrest-Ranger-Einheit gegründet. Schnappen illegale Holzfäller. Stoppen wilde Farmen. Ziehen erfolgreich vor nationale und internationale Gerichte. Setzen den Anspruch auf ihr angestammtes Siedlungsgebiet mit juristischen Mitteln durch.
Durch ihre – wie ich es nennen möchte – aktive Passivität, im Einklang mit den Möglichkeiten, bewahren die Okiek weite Teile Kenias vor einer Dürre-Katastrophe und bleiben sich selbst treu. Sie sind gleichzeitig glänzend traditionell und modern. Sie reduzieren freiwillig die Ausbeutung des Waldes, um auf Dauer von und mit ihm leben zu können.
Dafür haben die Okiek das Ogiek Peoples Development Programme gegründet und setzen damit eigene Ziele um, die in einem patriarchischen Land wie Kenia die Ausnahme sind. Die Gleichheit der Geschlechter zählt ebenso wie das Recht der Kinder und der Jugendlichen. Wir konnten bei einem politischen Fest einer dreihundertköpfigen Dorfgemeinschaft erleben, dass alle mitreden und mitentscheiden. Überhaupt ist die Redekunst eine Stärke der Okiek, die sich auch intensiv darum kümmern, dass ihre bedrohte Sprache weiterbesteht.
Von dieser moralischen Cleverness, vom Gegegenseitig-Kümmern und, nicht zuletzt, von der sozialen Gleichheit, dem Willen zum Widerstand gegen das "Falsche", könnten wir in Deutschland einiges lernen. De-Growth, also die Konzentration auf die Wertschöpfung, die nicht zerstört, im Einklang mit Flora und Fauna existiert, öffnet ungeahnte Möglichkeiten des Glücks und der Teilhabe.
BürgerInnenräte könnten sich bei uns einmischen und realistische Vergleiche für die Probleme vor Ort finden. Die lebensbejahende Kommune, in der wir miteinander sprechen, könnte zum Motor der Demokratie, des Handelns und Aushandelns werden. Wer zu viel will, geht, schlussendlich, mit nichts davon.
Wir wissen, dass soziale Gleichheit entscheidend fürs Wohlbefinden von Gesellschaften ist. Also: Ran an die Erbschaftssteuerreform, Spitzensteuersatz und Mindeslöhne erhöhen. Bus, Tram, S- und U-Bahn, Theater und Museen umsonst machen. Geteilter Honig? Ist nochmal so süß.
Ohne Einfluss von außen hat dieses Volk, mit knapp über 50.000 Menschen Kenias kleinste ethnische Gruppe, eine ganz eigene Art von Wald-Demokratie für sich entwickelt. Ein Miteinander, das sich an der Natur ausrichtet, nicht die Natur nach Belieben ein- und zurichtet.
Das zeigt sich beim Honig-Sammeln. Der Waldhonig der Okiek ist nicht nur berühmt, sondern auch begehrt. Der einzigartige Geschmack entsteht durch die Artenvielfalt des Waldes. Traditionell platzieren die Ogiek ihre Bienenstöcke in den Baumkronen, achten darauf, die Umwelt nicht zu stören. Die Anzahl der Völker ist begrenzt, eine zu hohe Dichte würde die Ausbreitung von Parasiten begünstigen.
Die Massai, die außerhalb des Mau Walds leben, benötigen den Honig für rituelle Zeremonien. Die Okiek könnten nun, das gäbe unterm Strich mehr Geld, das Bienengold komplett an Großhändler verscherbeln. Und damit die Massai vor den Kopf stoßen, die ihre Kühe, als Rache, daraufhin in den Wald treiben würden. Frieden fragt nach Kooperation, erzählen uns die Okiok, als wir nachhaken, beim gemeinsamen Gang durchs dichte Grün. Gier dagegen fragt nach Zwist.
Mit Krieg und Frieden kennt sich das Waldvolk seit der britischen Kolonialherrschaft aus. Auch die kenianische Regierung wollte und will es umsiedeln, ihm die Heimat nehmen, um den Mau Wald gewinnbringend zu zerstückeln. Die Okiek wehren sich. Haben eine Forrest-Ranger-Einheit gegründet. Schnappen illegale Holzfäller. Stoppen wilde Farmen. Ziehen erfolgreich vor nationale und internationale Gerichte. Setzen den Anspruch auf ihr angestammtes Siedlungsgebiet mit juristischen Mitteln durch.
Durch ihre – wie ich es nennen möchte – aktive Passivität, im Einklang mit den Möglichkeiten, bewahren die Okiek weite Teile Kenias vor einer Dürre-Katastrophe und bleiben sich selbst treu. Sie sind gleichzeitig glänzend traditionell und modern. Sie reduzieren freiwillig die Ausbeutung des Waldes, um auf Dauer von und mit ihm leben zu können.
Dafür haben die Okiek das Ogiek Peoples Development Programme gegründet und setzen damit eigene Ziele um, die in einem patriarchischen Land wie Kenia die Ausnahme sind. Die Gleichheit der Geschlechter zählt ebenso wie das Recht der Kinder und der Jugendlichen. Wir konnten bei einem politischen Fest einer dreihundertköpfigen Dorfgemeinschaft erleben, dass alle mitreden und mitentscheiden. Überhaupt ist die Redekunst eine Stärke der Okiek, die sich auch intensiv darum kümmern, dass ihre bedrohte Sprache weiterbesteht.
Von dieser moralischen Cleverness, vom Gegegenseitig-Kümmern und, nicht zuletzt, von der sozialen Gleichheit, dem Willen zum Widerstand gegen das "Falsche", könnten wir in Deutschland einiges lernen. De-Growth, also die Konzentration auf die Wertschöpfung, die nicht zerstört, im Einklang mit Flora und Fauna existiert, öffnet ungeahnte Möglichkeiten des Glücks und der Teilhabe.
BürgerInnenräte könnten sich bei uns einmischen und realistische Vergleiche für die Probleme vor Ort finden. Die lebensbejahende Kommune, in der wir miteinander sprechen, könnte zum Motor der Demokratie, des Handelns und Aushandelns werden. Wer zu viel will, geht, schlussendlich, mit nichts davon.
Wir wissen, dass soziale Gleichheit entscheidend fürs Wohlbefinden von Gesellschaften ist. Also: Ran an die Erbschaftssteuerreform, Spitzensteuersatz und Mindeslöhne erhöhen. Bus, Tram, S- und U-Bahn, Theater und Museen umsonst machen. Geteilter Honig? Ist nochmal so süß.
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